Freitag, 26 September 2025 17:25

Finanzkrise trifft Ingolstadt hart

Rate this item
(0 votes)
Haushaltskrise in Ingolstadt verschärft sich Haushaltskrise in Ingolstadt verschärft sich Foto: Pixabay

Die Großstadt Ingolstadt steht vor massiven finanziellen Problemen. Die Verantwortlichen rechnen im Jahr 2026 erstmals mit einem unausgeglichenen Haushalt. Hauptgrund ist der drastische Einbruch der Gewerbesteuer, der eng mit der Krise der deutschen Automobilindustrie und dem Rückgang der Einnahmen von Audi verbunden ist.

Inhaltsverzeichnis:

Audi und die wegbrechende Gewerbesteuer

Ingolstadt verzeichnete 2012 mit 242 Millionen Euro Rekordeinnahmen aus der Gewerbesteuer. Damals profitierte die Stadt stark vom Boom der Automobilindustrie. Hauptzahler war der VW-Konzern, über den die Abgaben von Audi flossen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Für 2026 rechnet die Stadt nur noch mit rund 70 Millionen Euro. Notwendig wären jedoch 150 Millionen Euro, um die Ausgaben decken zu können. Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) erklärte, eine schnelle Erholung sei nicht in Sicht.

Steigende Kosten und bundesweiter Trend

Parallel zu sinkenden Einnahmen steigen die Ausgaben. Personalkosten und Sachaufwand belasten zusätzlich den Haushalt. Damit reiht sich Ingolstadt in eine bundesweite Entwicklung ein. Laut einer Umfrage des Deutschen Städtetags können 37 von 100 Großstädten keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen. Weitere 47 Prozent müssen Rücklagen nutzen, um ihre Finanzen zu stabilisieren.

Zentrale Zahlen im Überblick

  1. Einnahmen 2012: 242 Mio. Euro
  2. Prognose 2026: 70 Mio. Euro
  3. Notwendige Mindesteinnahmen: 150 Mio. Euro
  4. Geplante Einsparungen: 60–80 Mio. Euro pro Jahr

Michael Kern und die Sparpläne

Die Stadt muss doppelt so viel sparen wie ursprünglich gedacht. Statt 30 Millionen Euro pro Jahr zwischen 2026 und 2028 sind nun 60 bis 80 Millionen Euro nötig. Geplante Maßnahmen:

  • Kürzungen bei Vereinen und Kultur
  • sozialverträglicher Stellenabbau in der Verwaltung
  • Überprüfung aller Großprojekte

Auf der Liste stehen Sanierungen mehrerer Schulen, das denkmalgeschützte Stadttheater und der Neubau des Museums für Konkrete Kunst und Design (MKKD). Stadtkämmerer Franz Fleckinger betonte, man wolle keine Bauruinen hinterlassen.

Oliver Brunner und die Kürzungen im Kulturbereich

Auch die freiwilligen Leistungen werden weiter reduziert. Bereits jetzt sind Museen, Sportvereine und Musikschulen betroffen. Die Kammerphilharmonie Ingolstadt meldete im April starke Einschnitte im Etat, was weniger Konzerte zur Folge hatte. Intendant Oliver Brunner vom Stadttheater sieht sich gezwungen, jede Entscheidung genau abzuwägen. Im Sportbereich wurden Zuschüsse zu Energie- und Wasserkosten sowie die Vereinspauschale gekürzt.

Konkrete Beschlüsse über die Höhe und den Umfang der Einsparungen trifft der Stadtrat erst noch. Klar ist jedoch: Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich auf steigende Gebühren, höhere Steuern und weniger städtische Leistungen einstellen. Entlassungen im Personalbereich sind dagegen nicht vorgesehen.

Quelle: BR24, webrivaig.com/de