Montag, 17 November 2025 16:41

Brandner Kaspar begeistert in der Augsburger Puppenkiste

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Der Tod mit Allgäuer Dialekt begeistert das Publikum. Der Tod mit Allgäuer Dialekt begeistert das Publikum. Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Die Premiere des Stücks „Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ in der Augsburger Puppenkiste hat für ausverkaufte Reihen und begeisterte Zuschauer gesorgt. Mit einer Mischung aus Humor, Dialekt und detailverliebter Inszenierung gelang es dem Ensemble, dem altbekannten Stoff neue Lebendigkeit zu verleihen. Die Vorstellung wurde durch die unverwechselbare Stimme von Max Schafroth als Tod zu einem besonderen Erlebnis.

Inhaltsverzeichnis:

Boandlkramer als Publikumsliebling

Der Tod, in dieser Fassung „Boandlkramer“ genannt, spricht Schwäbisch – und das mit voller Überzeugung. Max Schafroth verleiht der düsteren Figur durch seine allgäuerische Färbung Witz und Charakter. Seine Darstellung wurde zum Herzstück der Aufführung.

Begleitet von Rauch, Knarren und trüber Beleuchtung betritt er die Bühne: triefäugig, schiefzahnig, mit langer Nase. Trotz des unheimlichen Auftritts wirkt die Puppe fast bemitleidenswert, da sie ihren „himmlischen Auftrag“ nur schwer erfüllt. Die Umsetzung des Dialekts mit Redensarten, die längst aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind, verleiht der Aufführung Authentizität.

Die Geschichte, ursprünglich 1871 von Franz von Kobell veröffentlicht, bleibt dabei eng an der literarischen Vorlage. Der Wilderer Brandner Kaspar, dessen Frau und Tochter früh verstorben sind, versucht mit List und Glückspiel dem Tod zu entkommen – ein Motiv, das Generationen von Zuschauern bewegt.

Udo Wachtveitl und Helmut Schleich in Nebenrollen

Neben Schafroth stehen weitere prominente Sprecher im Mittelpunkt. Udo Wachtveitl, bekannt aus dem „Tatort“, leiht dem Brandner Kaspar seine Stimme. Andreas Giesser spricht Flori, den Verlobten von Kaspars Enkelin Marei, und Kabarettist Helmut Schleich verkörpert Bürgermeister Senftl. Alle drei trugen mit klarer Artikulation und komödiantischem Gespür zu einem stimmigen Gesamtbild bei.

Regisseur Martin Stefaniak entschied sich bewusst dafür, nahe an Kobells Original zu bleiben. Die Puppenkiste verzichtete auf überflüssige Effekte und konzentrierte sich auf Sprache und Bewegung. Dadurch erhielt die Aufführung eine ruhige, aber dichte Atmosphäre. Eine ähnliche ästhetische Sorgfalt zeigt sich auch in anderen kulturellen Projekten der Stadt, etwa beim Theaterumbau in Augsburg, der ebenfalls traditionelle und moderne Elemente verbindet.

Bühne, Musik und technische Raffinesse

Sieben Szenen bilden den Rahmen des Abends. Gestaltet wurden die Bühnenbilder von Carsten Gardner, der auf präzise Details achtete, ohne ins Kitschige zu verfallen. Hirschgeweih, Herrgottswinkel und eine zackige Himmelsleiter verleihen der Inszenierung bayerisches Flair.

Besonders eindrucksvoll ist der Moment, in dem sich die Bierkrüge im Himmel wie von selbst nachfüllen – eine technische Leistung, die für Staunen sorgte.

Kleine Details machten den Unterschied: Eine Kuhschelle in der Musik, feine Drähte unter der Bühne, die Gläser und Karten bewegen. Diese Elemente erinnern an die handwerkliche Präzision, für die die Puppenkiste seit Jahrzehnten bekannt ist. Wer sich für weitere Familienerlebnisse in der Region interessiert, findet passende Empfehlungen unter Familienziele für graue Tage rund um Augsburg.

Dauerbrenner in Planung

Der „Brandner Kaspar“ soll ein fester Bestandteil des Spielplans bleiben. Puppenkisten-Chef Klaus Marschall kündigte an, dass das Stück regelmäßig gezeigt wird. Bereits jetzt sind die Aufführungen im November und im April restlos ausverkauft.

Mit Witz, Gefühl und handwerklicher Präzision beweist die Augsburger Puppenkiste erneut ihr Können. Das Publikum erlebt eine Produktion, die Tradition respektiert und gleichzeitig Neues wagt. Wer den Zauber der Puppenkiste liebt, findet in dieser Inszenierung eine eindrucksvolle Rückkehr zu ihren Wurzeln – ähnlich wie bei den Light Nights in Augsburg, die die Stadt mit Kunst und Licht erfüllen.

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Quelle: AUGSBURGER  ALLGEMEINE, SN2WORLD