Inhaltsverzeichnis:
- Renata Debinska und ihr Geschäft Antikolorum
- Angela Jeschek und der Laden Angys Haferl
- Christoph Gabler und die Situation in der Altstadt
- Werner Hirschmeier und das Ende des Vintage Design Store
- Veränderungen im Überblick
Renata Debinska und ihr Geschäft Antikolorum
Im Antiquitätengeschäft „Antikolorum“ von Renata Debinska am Vorderen Lech sind Silberketten, Broschen und chinesische Vasen zu finden. Seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnet sie jedoch einen deutlichen Rückgang der Verkäufe. Während Touristen gelegentlich Schmuck kaufen, bleiben Möbel und Ölgemälde meist unverkauft. Bilderrahmen verkauft Debinska im Schnitt nur drei Mal im Jahr, Vasen höchstens zwei Mal.
Ihre Kundschaft besteht überwiegend aus Stammkunden, die bestimmte Objekte sammeln. Junge Menschen besuchen den Laden zwar gerne, kaufen jedoch selten etwas. Gründe dafür sind günstigere Angebote im Sozialkaufhaus oder auf Flohmärkten. Mit den niedrigen Preisen dieser Anbieter kann Debinska nicht konkurrieren, da sie Miete und Betriebskosten decken muss.
Sie möchte ihren Laden trotzdem fortführen. Mit ihrer Tochter plant sie die Erstellung eines kleinen Onlinekatalogs. Auf diese Weise sollen Kunden einen Überblick über aktuelle Artikel erhalten.
Angela Jeschek und der Laden Angys Haferl
Angela Jeschek betreibt seit 1992 „Angys Haferl“ in der Jakoberstraße. Sie ist seit über fünf Jahrzehnten im Antiquitätenhandel aktiv. Früher verkaufte sie erfolgreich Stahlstiche, Geschirr und Möbel. Heute gilt das Interesse daran als nahezu erloschen. Beliebt bleiben nur Krimis, Thriller und vergriffene Comics.
Die Gründe für die schwächere Nachfrage sind vielfältig. Sammlerinnen und Sammler der älteren Generation erreichen mittlerweile ein hohes Alter. Zudem fehlt vielen Menschen Platz und Geld. Gleichzeitig haben sich alternative Angebote etabliert:
- Bücherschränke mit kostenlosen Exemplaren
- Hofflohmärkte
- „Zu verschenken“-Kisten in Wohngebieten
Auch äußere Faktoren spielen eine Rolle. Nach Angaben von Jeschek schreckt die Vermüllung der Jakoberstraße Kunden ab.
Christoph Gabler und die Situation in der Altstadt
Christoph Gabler vom Geschäft „Marc Aurel“ erinnert sich an Zeiten, in denen es viele Antiquitätenläden in Augsburg gab. Heute ist die Zahl deutlich zurückgegangen. Er beobachtet zwar weiterhin regen Besuch in der Altstadt, jedoch weniger Kaufinteresse an Antiquitäten.
Gabler betont, dass damit ein Stück Kulturgut verloren geht. Was heute in Museen ausgestellt wird, sei früher von Privatpersonen bewahrt und weitergegeben worden. Ohne Käuferinnen und Käufer drohe dieser Kreislauf zu enden.
Werner Hirschmeier und das Ende des Vintage Design Store
Werner Hirschmeier führte jahrzehntelang einen Laden mit Vintage-Designs aus den 1950er bis 1970er Jahren. Er verkaufte unter anderem Bauhaus-Stücke und kinetische Leuchten. Vor zwei Jahren schloss er sein Geschäft. Hirschmeier nennt Verkaufsplattformen und digitale Werkzeuge wie Google Lens als Ursache für die Veränderungen.
Über Onlineplattformen können Interessierte den Wert von Objekten selbst schätzen, ohne Fachwissen oder Beratung. Dadurch gelangen weniger hochwertige Stücke in den Handel. Flohmärkte und private Verkäufe ersetzen zunehmend den klassischen Laden.
Veränderungen im Überblick
Die Berichte der Händlerinnen und Händler zeigen deutliche Parallelen:
- Rückgang des Interesses an Möbeln, Ölbildern und klassischen Antiquitäten
- Zuwachs bei preiswerten oder kostenlosen Alternativen wie Sozialkaufhäusern
- Stärkere Konkurrenz durch digitale Plattformen
- Probleme mit Standortbedingungen und sinkender Kaufkraft
Trotz dieser Schwierigkeiten führen engagierte Händler wie Renata Debinska oder Angela Jeschek ihre Geschäfte weiter und suchen nach neuen Ideen.
Quelle: Augsburger Allgemeine, webrivaig.com/de