Montag, 22 September 2025 12:55

13-Jährige stürzt von Parkhausruine in Augsburg

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Einsatzkräfte sichern die Ruine am Wittelsbacher Park Einsatzkräfte sichern die Ruine am Wittelsbacher Park Pixabay/Foto illustrativ

Eine 13-Jährige ist am Freitagabend in Augsburg von einer Bauruine am Wittelsbacher Park mehrere Meter in die Tiefe gefallen. Sie erlitt schwere Verletzungen und musste in die Universitätsklinik gebracht werden. Der Vorfall rückt erneut die seit Jahren ungelöste Eigentümerfrage rund um das Kongressparkhaus neben dem Hotelturm in den Fokus.

Inhaltsverzeichnis:

Unfall am Wittelsbacher Park

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Sturz gegen 18.20 Uhr. Das Mädchen war mit vier Begleitern zwischen 15 und 18 Jahren in der Ruine unterwegs. In der dritten Etage stieg sie auf eine Brüstung und verlor das Gleichgewicht. Sie fiel mehrere Meter tief. Die Jugendliche zog sich mehrere Knochenbrüche sowie eine Kopfverletzung zu und wurde in die Universitätsklinik eingeliefert.

Die Polizei bestätigte, dass das Kind nach dem Unfall ansprechbar war, jedoch erheblich verletzt. Nun wird wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. Das Betreten des baufälligen Gebäudes ist streng verboten, die Ruine ist abgesperrt. Auch die weiteren Umstände des Vorfalls werden untersucht.

Streit um Eigentum und Nutzung

Die Ruine ist seit Jahren ein Zankapfel. Ein Bewohner des Hotelturms berichtete, dass er immer wieder Geräusche aus dem Gebäude höre. Das Parkhaus gilt inzwischen als sogenannter „Lost place“.

Seit Jahren besteht Streit zwischen den Teileigentümern. Die Stadt Augsburg ordnete zwar den Abriss des unvollendeten Wohngebäudes über dem Parkhaus an. Doch aufgrund laufender Gerichtsverfahren liegt dieser auf Eis. Mehrheitseigentümer Bernhard Spielberger fordert den Abriss und plant dort 220 Wohnungen mit einem großen unterirdischen Parkhaus. Die Stadt Augsburg lehnte jedoch eine so massive Bebauung ab.

Angebot von Jürgen Wowra

Minderheitseigentümer Jürgen Wowra, bislang Befürworter einer Sanierung, ist inzwischen zum Verkauf bereit. Er hält einen Anteil von 0,4 Prozent. Bereits vor den Sommerferien bot er diesen der Stadt Augsburg an.

  • Der Verkauf soll zu einem „niedrigen Betrag“ erfolgen.
  • Wowra betont, dass es ihm nicht um Gewinn gehe.
  • Als Unternehmer konzentriert er sich inzwischen auf Projekte in Berlin und der Schweiz.

Mit dem Verkauf könnte die Stadt erstmals direkt Einfluss auf die Zukunft des Geländes nehmen. Baureferent Steffen Kercher bestätigte, dass das Angebot geprüft werde.

Gerichtsstreit zwischen Stadt und Spielberger

Neben dem Eigentümerkonflikt gibt es Auseinandersetzungen um die Sicherung der Anlage. Die Stadt verpflichtete die Eigentümergemeinschaft, den Heizungskeller samt Gasleitung gegen herabfallende Trümmer zu sichern. Spielberger hält dies für unzureichend und fordert weiterhin den Komplettabriss.

Vor Gericht scheiterte er zuletzt mit einer Klage gegen die Stadt. Nun legte er Beschwerde bei der Regierung von Schwaben ein. Ob die Stadt oder Spielberger am Ende ihre Position durchsetzen, bleibt offen.

Forderungen nach neuen Parklösungen

Die Alt-Augsburg-Gesellschaft fordert ein Umdenken. Unabhängig vom Streit müsse die Stadt Lösungen für zusätzliche Parkplätze schaffen, insbesondere für den Kongress am Park und den Hotelturm.

Dazu liegen Vorschläge auf dem Tisch:

  1. Bau einer Tiefgarage unter der Imhofstraße.
  2. Errichtung eines „Mobility-Hubs“ auf dem Parkplatz der Erhard-Wunderlich-Sporthalle.

Die bisherigen Pläne für eine Tiefgarage unter der Gögginger Straße wurden wegen zu hoher Kosten verworfen. Doch der jüngste Unfall zeigt, wie dringend eine Lösung für das marode Parkhaus benötigt wird.

Quelle: Augsburger Allgemeine, www.globewings.net/de